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Sonja und
Gerry sind schon heute Mittag angereist, und zusammen gehen wir auf
die Suche nach einem Restaurant für unsere letzten und wichtigen
Kohlenhydrate. Ich, in Form von Pasta, und Gerry, in Form von Kartoffeln. Es
wurde nicht zu spät, denn schliesslich wollen wir morgen top fit sein.

Hotel Dufour mit der Aussicht um 06.35 Uhr am Morgen
Samstag, 4. Juli 2009
Um 06.00 Uhr klingelt der Wecker. Das Morgenbuffet ist
unübertrefflich, nur leider müssen wir uns so stark einschränken mit der
Kost, dass es schon fast schmerzt. Ein bisschen Weissbrot mit Honig und eine
Tasse Kaffe für das nicht unwichtige Koffein - das wars dann schon. Wir
machen uns auf den Weg zum Bahnhof und geniessen den Morgenwalk durch das
idyllische Dorf, welches auch langsam erwacht. Das Matterhorn am Horizont
steht bereits prachtvoll in der Sonne. Im Zug kommt langsam
die Nervosität auf und die Stimmung mit all den Läufern ist, wie immer bei
solchen Anlässen, unvergleichlich. Auch Natascha und René aus Luzern sitzen
im gleichen Zug. In St. Niklaus auf 1'085 m ü. M.
angekommen, treffen wir auf Andrea, Birdy und Lucky, die heute Morgen
direkt aus Luzern angereist sind.

Matthias, Andrea, Gerry,
Lucky und Birdy. Rechts das Startgelände
Von hier führt die
Strecke, teils an der Visp entlang, durch die typischen Waliser Dörfer mit
den von der Sonne schwarz gebrannten Häusern Herbriggen, Randa und Täsch.
Nachdem sich die Elite und
die Staffelläufer bereits ein paar Minuten vor uns auf den Weg machen, fällt
unser Startschuss um 09.38 Uhr. Die Sonne steht jetzt bereits hoch am
Himmel. Ziel ist der Riffelberg, auf 2'585 m ü. M. Trotz der enormen Höhenmeter ist die
Strecke 42,195 km lang, wie jeder Marathon. Die zu bewältigende
Höhendifferenz der alpinen Laufherausforderung ist 1'944 m, mit einem Gefälle
von 444 m. Es ist einer der anforderungsreichsten Marathons Europas.

Es geht auf dem 1.
Kilometer bereits bergauf. Wir rennen durch das Dörfchen. Es wird schnell
enger, und ich versuche gleich ein bisschen vorne mitzuhalten. Nicht, dass mir
das Gleiche passiert wie am Jungfrau Marathon, wo man einfach nicht mehr
überholen kann. Die Sonne brennt und kaum zwei Kilometer gelaufen, meldet sich der
Durst. Mein Kilometerschnitt liegt bei knapp über fünf Minuten, was ich gut
halten kann bis zur ersten Trinkstation. Uff, das tut richtig gut. Aus drei Bechern während des Laufens
zu trinken, habe ich
ja bereits am Winterthur Marathon geübt. Die Lauffreunde aus Luzern habe anfangs
aus den Augen verloren, aber vielleicht sieht man sich ja unterwegs noch.
Jedenfalls falle ich mit dem rosa Bachmann-Rennshirt gut auf.
Die Strecke führt immer wieder der Bahnlinie entlang
weitgehend auf dem linken Visp-Ufer. Ein Zug mit Schaulustigen folgt den
Läufern, und wir werden von der "fahrenden Tribüne" so richtig angefeuert
und begleitet.

Übrigens, befinden wir uns im tiefsten Tal der Schweiz
inmitten von 29 Viertausendern. Die Steigung ist kontinuierlich, aber noch
angenehm, wäre diese Hitze nicht. Wir rennen auf Naturstrassen, Wiesen und
auf Asphalt. Ein gute Abwechslung und eine wahrhaft schöne Gegend. Ich
"blange" bereits auf die nächste Getränkestation, welche bald bei Kilometer 10
kommen wird. Der Wasserverlust ist enorm und trinken ist das erste Gebot heute
für einen Zieleinlauf.
Wir nähern uns immer mehr Zermatt auf 1'600 m ü. M., dem
Weltkurort schlechthin, und auch das Matterhorn wird langsam wieder
ersichtlich. Es geht über Stock und Stein.
In Zermatt erreichen wir vor dem Bahnhof den
4. Verpflegungsposten. Die Auswahl ist grösser denn je. Ich schnappe mir wiederum
drei Becher, darunter erstmals lauwarme Bouillon, denn ich muss sicher schon
viel Salz verloren haben.
Hier ist die Halbmarathondistanz erreicht, und mit knapp
über zwei Stunden kann ich meinen Kilometerschnitt mehr oder weniger halten.
Mitten im Dorf treffe ich auf Piera, Sonja und meinen kleinen Fan
Elias. Sie feuern mich und meine Laufkollegen an und machen eine paar Schnappschüsse.

Sonja mit Elias
Gerry und Andrea
Plötzliche verspüre ich ein enormes stechen auf Höhe
der Niere. Der Schmerz wird so stark, dass ich anhalten muss. Zum Glück geht
es jetzt gleich leicht berauf, so kann ich mit gutem Gewissen ein paar
Schritte gehen. Ich versuche zwei bis drei Mal wieder zu rennen, leider unmöglich.
"Wars das?"
Ich werde sehr unsicher und atme tief durch. Nach zwei bis drei Minuten
verschwindet
das Stechen langsam, und ich kann wieder sachte rennen. "Was war denn das?"
Möglicherweise hat die Bouillon gemischt mit dem isotonischen Getränk nicht so
gut getan. Jedenfalls bin ich sehr erleichtert, dass es nicht anhielt. Bei der
Zermatterschlaufe, welche ca. ein Kilometer lang ist, rennt man einen kurzen Teil
gegeneinander. Und siehe da, Andrea, dicht hinter mir, winkt mir zu. Ihr strahlendes Lachen zeigt mir, dass sie sich gut fühlt.

Von hier an folgt die Strecke der Naturstrasse bis auf
die Sunnegga. Jetzt geht es stark berauf. Ich muss zwischendurch immer
längere Abschnitte einfach den Gehschritt einschalten, versuche jenen
einfach zügig zu gehen. Der Kräfteverschleiss ist so geringer und mir fällt
auf, dass ich unwesentlich langsamer bin als einige Läufer auf meiner Höhe,
die rennen oder besser traben. Zwischendurch ebnet sich der Weg. Rennen, um Zeit aufzuholen, ist ein MUST, jedoch wird dies immer
schwerer und qualvoller.

Der lange Aufstieg geht durch Arvenwälder und Almwiesen.
Wir werden mit einem atemberaubenden Blick auf das Alpenpanorama
belohnt. Mühsam sind die vielen Fliegen, die wir wahrscheinlich
anziehen. Sie sind zwar treue Wegbegleiter über Stunden, werden aber wenig
geschätzt.

Auf dem Plateau angelangt, passieren wir den Leisee,
ein idyllisch gelegener Badesee mit einer grandiosen Matterhornspiegelung.
Doch das Matterhorn hält sich diesmal bedeckt und zeigt nur ein wenig von
seiner Schönheit.

Bei Km 38 laufe ich auf Birdy auf. Es tut gut ein paar
Worte zu wechseln. Ausser Atem motivierten wir uns gegenseitig. Birdy rät mir im noch flachen Streckenabschnitt bis Km 40 alles zu geben,
denn nach der Riffelalp auf 2'222 m ü M. zum Riffelberg auf 2'585 m ü M. gehe
es erst richtig los. Und so ists dann auch. Zwar verbleiben nur noch gut
zwei Kilometer bis ans Ziel,
aber ich stehe wie an einer Wand.
Der Weg führt jetzt entlang der höchst gelegenen
Strassenbahn Europas. Die ist der schwierige Schlussteil der Strecke. Auf dem
letzten Abschnitt, dem Kaiseranstieg, gilt es nun die restlichen 360 Meter
Höhenunterschied zu überwinden, bis das Ziel auf dem Riffelberg am Gornergrat erreicht ist. Hier können wir nochmals die Anfeuerungsrufe aus
der Bahn geniessen.

Im Flachen Stück kann ich mich zwar leicht von Birdy
absetzen, aber bei Km 41 zieht er wie ein Gämsi an mir vorbei. Ich bin am
Ende meiner Kraft. Sein Tempo ist für mich nicht zu halten. Auch wenn das
Ziel zum riechen nah ist.

Angekommen, Riffelberg, 2'585 m ü. M. Jetzt noch
die letzte Schlaufe mit dem Ziel vor Augen. Das Atmen fällt leichter. Die 29
Viertausender winken jedem zu, der das Zielband durchbricht - denn jeder ist
ein Sieger, der hier ankommt - bis spätestens um 16.40 Uhr abends. Nach vier
Stunden und 43 Minuten habe ich es geschafft.

Übrigens, ganze zwei Sekunden schneller als am Jungfraumarathon vor zwei Jahren, nur waren dies ein paar
Höhenmeter weniger. Birdy kam von uns als Erster ans Ziel (zwei Minuten vor mir),
Natascha, Gerry und Andrea kurz danach und auch René und Lucky schafften es.

Zielfoto mit Birdy
Zielumgebung Riffelberg
Fast 1'600 Läuferinnen und
Läufer sorgten erneut für einen neuen Teilnehmerrekord. Davon wurden,
einschliesslich der Zweierstaffeln, 1'462 klassifiziert. Lässt man die
Staffeln unberücksichtigt, so finishten 1'092 Läuferinnen und Läufer, das sind 113
mehr als im Vorjahr.

... mit Gerry, Birdy, Andrea und Natascha.
Am Abend geniessen wir das
gemeinsame Nachtessen und können so richtig reinhauen. Nach den "programmierten" Mahlzeiten
in den letzten zehn Tagen ist das eine richtige
Wohltat.
Einmalmehr ein
unvergessliches Erlebnis, an das wir uns noch lange mit Freude und Stolz
erinnern werden.
Speziellen Dank:
Meiner lieben Frau Piera, für die Unterstützung.
Sonja, für den Support und liebevollen Umgang mit Elias.
Andrea, für die tollen Tipps und Reservationen.
Zermatt Marathon, für die perfekte Organisation:
www.zermattmarathon.ch
Hier gehts zur
Berichterstattung von Gerry:
www.physio-luzern.ch
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