Die 4. Generation – Das Alte stärkt das Neue.

«Wir haben die Selbstständigkeit ­unserer Eltern stets positiv erlebt.»

Generationenwechsel

Der Wechsel von der 3. zur 4. Generation lief fliessend und reibungslos. «Wir mussten keine Energie in Streitigkeiten und Eitelkeiten investieren, sondern konnten immer zum Wohle des Unternehmens arbeiten und unsere Energie in die Zukunft investieren. Wir profitieren noch heute von der Erfahrung und der gesellschaftlichen Vernetzung unseres Vaters », berichten Matthias und Raphael. 

Das Geheimrezept der zwei Brüder

«Wir verstehen uns blind!»
Matthias und Raphael wuchsen gemeinsam in der elterlichen Quartierbäckerei zwischen Mehlsäcken und Backformen auf. Beide erlernten den Beruf von der Pike auf.

Jahrelang trennten sich ihre Wege während der beruflichen Ausbildung und Wanderschaft. Als krönenden Abschluss dieser Zeit verbrachten sie ein Jahr gemeinsam in Japan, bevor sie im Jahr 1997 zusammen im elterlichen Betrieb einstiegen.

«Bei Lebensmitteln ist das beste Rezept ohne Frische nur Mittelmass.»
Raphael Bachmann

Matthias und Raphael Bachmann, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, ist für viele keine Option. Da es sich hier aber um eine Confiserie handelt, dürften Sie wohl keine Sekunde gezögert haben …
Matthias Bachmann: In der Tat waren wir schon von Kindesbeinen an Feuer und Flamme für diesen schönen Beruf. Wir sind in der Quartier­bäckerei auf dem Wesemlin inmitten von Mehlsäcken, Backformen und Schwing­besen aufgewachsen. Die Bäckerei war unser Zuhause. Unten wurde gebacken, oben haben wir gewohnt. Dadurch ist eine enge Bindung mit dem Betrieb und dem Metier entstanden. Dazu kommt, dass wir von unseren Eltern die Selbstständigkeit stets positiv erlebt haben. Wir möchten erwähnen, dass auch unsere Eltern in ­ihrer ­Karriere höchst erfolgreich waren und in der Branche noch heute als Pioniere gelten. Unsere Eltern lebten uns das Unternehmertum perfekt vor. Wir durften schon früh von ihnen lernen, wie erfolgreich gearbeitet wird, welche Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu tragen ist und welche Pflichten der Erfolg mit sich bringt. Trotzdem haben uns unsere ­Eltern die freie Berufswahl gelassen. Heute sind unsere ­Eltern nach wie vor unsere grössten Vorbilder. Um weiterzukommen, mussten sie geschäftliche Risiken eingehen, was wir in unserer beruflichen Laufbahn bis anhin nicht annähernd tun mussten. Dafür haben sie unseren grössten Respekt. 

Was war das Wichtigste, das Ihnen die Eltern mit auf den Weg gegeben haben?
Raphael Bachmann: Wie bereits erwähnt, sind unsere Eltern mit ihrem Lebenswerk noch heute unsere grössten Vorbilder. Dies als Unternehmer, aber auch als Menschen. Während unserer Ausbildung haben wir rund um die Welt unzählige Chefs und Geschäftsinhaber erlebt. Wie man Visionen umsetzt und vor allem mit Menschen umgeht, sie schätzt und führt, das haben wir jedoch von unseren Eltern gelernt. Sie haben gross­zügig in unsere Ausbildung investiert und uns die Auslandsaufenthalte finanziert. So waren wir auf keinen Lohn angewiesen und konnten daher weltweit in den besten Betrieben arbeiten und uns weiterbilden. Wir lernten Fremdsprachen und durften uns in verschiedenen Kulturen durchschlagen. Das ist etwas, das uns heute noch prägt. In der Dienstleistungsbranche der Schweiz beschäftigt man automatisch auch Menschen aus anderen Kulturen. Um sie zu verstehen, muss man als Vorgesetzter sich definitiv auch mal so gefühlt haben. Das haben wir im Ausland auf unseren Wanderjahren erlebt.

Matthias: Wie heute stand auch in der Quartierbäckerei, wo wir aufwuchsen, unser Beruf im Mittelpunkt. Ein grosser Vorteil ist, dass wir Bäcker sowie Konditor/Chocolatier gelernt haben und das Metier von der Pike auf kennen. Klar kann man heute ein Unternehmen nur als Manager führen. Wir sind jedoch Konditoren. Deshalb treten wir auch gerne in unserer Berufskleidung auf. Die Produkte sind das Herzstück unseres Unternehmens. Was wir heute erreicht haben, wäre ohne den Einsatz von vier Generationen gar nicht möglich. Umso schöner ist es, wenn man auf einer Basis weitermachen kann und nicht von Null auf beginnen muss.

«Schliesslich sind wir in einer ­Quartierbäckerei ­inmitten ­von Mehlsäcken, Backformen und Schwingbesen aufgewachsen.»
Matthias Bachmann

Viele Unternehmen im Lebensmittelbereich hüten ­Rezepte strikt, machen sogar einen Kult daraus. Wie ist das bei Ihnen? Was sind Ihre Geheimnisse?
Raphael: Rezepte sind sicherlich der Grundstein für ein gutes Produkt. Wir haben ausgezeichnete und sehr traditionelle Rezepturen. Trotzdem darf man es nicht überbewerten. Zudem animiert ein «verstecktes» Rezept gerade dazu, dass es jeder haben möchte. Gerade bei Lebensmitteln ist das beste Rezept ohne Frische nur Mittelmass. Das wichtigste Geheimnis ist daher unser bedingungsloses Frischekonzept! Wir beliefern unsere Fachgeschäfte mehrmals täglich frisch. Zum Teil bis zu sechsmal. In unserer Branche werden die Geschäfte im Normalfall einmal oder höchstens zweimal täglich beliefert. Dazu kommt die Handarbeit: Solange es noch keine Maschine mit zehn Fingern und viel Gefühl gibt, bevorzugen wir nach wie vor Handarbeit. Den grössten Unterschied machen seit eh und je unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Wir sind seit Jahren ein eingespieltes Team mit einer enormen Leidenschaft. Ohne sie wäre diese Unternehmensentwicklung nie und nimmer möglich gewesen. Bei den Rohstoffen gehen wir keine Kompromisse ein. Hier und einzig hier, gilt ein hier­archisches Grundgesetz. Was mein Bruder und ich nicht selber essen, wird auch nicht verarbeitet, geschweige verkauft.

Unsere Werte definieren wir über Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit wie auch Qualität, und wir werden auch in Zukunft einzig das tun, was wir besser können. Wir backen mit Leidenschaft. Man kann nicht einfach Zutaten ­vermischen. Die Rezepte sind zwar wichtig, aber nicht entscheidend: Man muss den Kunden mögen und schätzen, um Tag für Tag eine ausserordentliche Qualität für ihn backen zu können. Die grösste Herausforderung ­sehen wir darin, der ­Industrie und den Mitbewerbern immer einen Schritt voraus zu sein und dass unsere Premiumqualität ihren Wert behält und für den Konsumenten spürbar besser bleibt. Da wir weiterhin auf Handarbeit setzen werden, geht nichts über qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Förderung, Schulung und Zufriedenheit. Weitere grosse Investitionen werden nötig sein für die Energiewende sowie Nachhaltigkeit. 

Bachmann hat sich auf dem Markt etabliert. Gab es ­unsichere Zeiten?
Matthias: Das Unternehmen ist stark gewachsen und war geprägt von vielen Veränderungen. Absolute Sicherheit gibt es auch heute nicht, aber das unternehmerische Risiko zu tragen, machte uns nichts aus, da wir von der Sache immer beide überzeugt waren. Dies gab die nötige Sicherheit und festigte die Überzeugung, das Richtige zu tun. Viele Berufskollegen fragen uns immer wieder, wie wir diese Entwicklung von einer Quartierbäckerei zu einer der drei grössten gewerblichen Confiserie Bäckereien der Schweiz hinbekommen haben. Wir dürfen heute sagen, dass die Entwicklung in unserer Branche einzigartig ist. Aber umsonst gibt es das nicht. Wir arbeiten viel und hart für den Erfolg. 

«Klar kann man heute ein ­Unternehmen nur als Manager führen. Wir sind jedoch Konditoren.»
Matthias Bachmann

Was sind die nächsten Schritte? Wohin soll Sie die Reise noch führen?
Matthias: Das Zauberwort heisst Innovationen. Sie waren der Garant des Erfolgs unserer Entwicklung und bleiben unser Lebens- und Überlebensnerv. Dank ihnen konnten wir uns in einem gesättigten Markt in den letzten Jahren vervier­fachen. Beim Eintritt ins Geschäft 1996 war der Glace-Umsatz ­sozu­sagen bei Null, bis auf ein paar Vacherin-Glace­torten. Heute produzieren wir über 70 Tonnen Eis pro Jahr. Der ­Glace-Markt wurde und wird nach wie vor von der Industrie dominiert und bestimmt. Mit unseren natürlichen Rezepturen und ­einem Reife­prozess in der Herstellung konnten wir viele Glace-­Liebhaberinnen und Glace-Liebhaber gewinnen, da sie den Unterschied offensichtlich spüren. Dies als ein Beispiel, was in einem industriedominierten und gesättigten Markt möglich ist. 

Raphael: Auch der Ausbau der Fachgeschäfte liegt uns sehr am Herzen. 1998 erstellten wir die erste Feng-Shui-Bäckerei der Schweiz. Es ist meistens ein Entscheid im Unterbewusstsein, ob die Kundschaft ein Geschäft betritt oder nicht. Da kann man noch so gute Produkte haben: wenn diese nicht richtig beleuchtet und gekühlt werden oder man sie kaum sieht, werden sie auch nicht gekauft.

Matthias: Die Innovation fördert die Unternehmensentwicklung und die Kundenbindung. Mit ihr können wir unsere Leidenschaft für den schönen Beruf ausleben. Die Innovations­entwicklung erfolgt über Kundenbedürfnisse, Leidenschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einem gezielten Marketing. Die Förderung liegt in der direkten und unkomplizierten Führungs- und Entscheidungsfindung innerhalb der Unternehmung sowie der Ausschöpfung der Möglichkeiten. Nur wenn alles stimmt, können wir unserer Kundschaft den gewünschten Mehrwert bieten. Dies macht uns einzigartig.  

«Wir backen mit Leidenschaft. Man kann nicht einfach Zutaten vermischen.»
Raphael Bachmann


Bachmann-­Geschäftsleitung – die erweiterte Familie

Wir dürfen mit Stolz sagen, dass wir über unsere eigentliche Familie hinaus auf viele sehr langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen dürfen. Sie investieren genauso viel Herzblut in unser Unternehmen wie wir, wir vertrauen ihnen hundertprozentig, und sie bringen sich in ihrem jeweiligen Aufgabengebiet selbstständig ein und entwickeln sich weiter. Auf Geschäftsleitungsebene sind das Daniel Weber, Produktionsleiter (seit 1997 im Unternehmen), und ­Jacqueline Di Marco, Verkaufsleiterin (seit 1998 im Unternehmen).

«Wir haben alle ein gemeinsames Ziel.»
Als Geschäftsleitung sind wir den Weg der Expansion die letzten 18 Jahre gemeinsam gegangen. Wir haben gemeinsam geschwitzt, geschuftet, ­geplant, gestritten, uns versöhnt, ­gelacht und gefeiert, und mussten Rückschläge einstecken. Eines hat sich bis heute jedoch nie geändert: Wir haben alle ein gemeinsames Ziel. Dieses Ziel verbindet uns und ist die Basis für eine erfolgreiche, gemeinsame Zukunft.