«Frühmorgens geht bei uns die Post ab.»

Schon in jungen Jahren entdeckte Daniel Weber im elterlichen Betrieb seine Leidenschaft für den Bäckerberuf. Es verwundert deshalb nicht, dass der Produktionsleiter der Confiserie Bachmann auch nach 20 Jahren noch mit viel Herzblut bei der Sache ist. Das zeigt sich auch daran, dass der ­Spitzenconfiseur viel lieber in der Backstube steht, als im Bürosessel sitzt. 

Daniel Weber, Sie haben bestimmt sehr viele Freunde.
Daniel Weber: Wie kommen Sie darauf? 

Als Leiter Produktion beschenken Sie ihr Umfeld sicher ständig mit süssen Versuchungen.
So ist es in der Tat. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, bringe ich regelmässig Pralinés mit. Dass diese begehrt sind, merke ich vor allem dann, wenn ich das Mitbringsel mal vergesse und in die enttäuschten Gesichter meiner Freunde blicke (lacht).

Sie sind jeden Tag von den unterschiedlichsten Köstlichkeiten umgeben ...
... und ich «muss» diese sogar regelmässig probieren oder zumindest degustieren. 

Ein Traumjob!
Da haben Sie Recht. Die Leidenschaft für meinen Beruf habe ich übrigens in die Wiege gelegt bekommen. Meine Eltern hatten eine Bäckerei, weshalb ich schon in jungen Jahren mitbekommen habe, was es bedeutet, einen solchen Betrieb zu führen. Dazu gehören die schönen Seiten, wie das frische Gipfeli morgens in der Backstube oder der Kontakt zur Stammkundschaft, aber es gibt auch herausfordernde Aspekte. 

Wie zum Beispiel?
Wir befinden uns in einer bewegten Branche. Der Konkurrenzkampf ist gross, besonders auch in einer Bäckerstadt wie Luzern. Um hier Erfolg zu haben, muss täglich mit viel Herzblut, Leidenschaft und Überzeugung gearbeitet werden. Deshalb ist es essentiell, dass man 24 Stunden als Bäcker denkt, ansonsten hat man keine Chance. 

Sie sind nicht nur für die Qualität der Produkte, sondern auch für das Personal in der Produktion verantwortlich. Sind Sie als Chef denn auch noch selber in der Backstube anzutreffen?
Aber natürlich. Als Leiter Produktion muss ich dafür sorgen, dass unsere Produkte jeden Tag in einwandfreier Qualität über den Ladentisch gehen. Was ich von meinen Mitarbeitenden fordere, lebe ich täglich selber vor. Im Klartext heisst das, dass ich eben auch schon zwischen 5 und 6 Uhr im Betrieb bin und dabei keine Krawatte, sondern meine Arbeitskleidung trage. Schliesslich geht bei uns frühmorgens die Post ab.

Was ist Ihnen bei Ihren Mitarbeitenden besonders wichtig?
Entscheidend ist, dass der richtige Mann oder die richtige Frau am richtigen Ort eingesetzt wird. Um das zu erreichen, ist es wichtig, die Stärken der einzelnen Mitarbeitenden zu kennen und diese zu fördern. Wer bei Bachmann in der Confiserie ­arbeitet, sollte die Arbeit mit der Schokolade nicht nur mögen, sondern lieben! 

«Wer bei Bachmann in der ­Confiserie arbeitet, sollte die Arbeit mit der ­Schokolade nicht nur mögen, ­sondern lieben!»

Sie sind seit 20 Jahren bei der Confiserie Bachmann dabei. Wie hat sich der Betrieb in diesen Jahren verändert?
Als ich angefangen habe, waren wir total 90 Mitarbeitende, heute sind es über 478. Das Wachstum hat natürlich grosse Veränderungen mit sich gebracht. Was hingegen gleich ­geblieben ist, ist die familiäre Atmosphäre. Die Nähe zu den Mitarbeitenden ist uns ein grosses Anliegen. Deshalb schätzen sie, wenn der Chef auch mal einen Teig oder eine Schokoladenform in die Hände nimmt. 

Haben sich in den vergangenen Jahren die Ansprüche der Kunden verändert?
Auf jeden Fall. Der Kunde will sich heute viel gesünder und kalorienärmer ernähren. Diese Entwicklung wird in ­Zukunft noch zunehmen. 

Wie reagieren Sie darauf?
Ein gutes Beispiel bietet der Getränkebereich, ein umkämpfter Markt mit riesigem Angebot. Tatsache ist jedoch, dass 95 % aller Getränke total übersüsst sind. Vor einiger Zeit haben wir bewusst damit angefangen, selbstgemachten Tee zu verkaufen. Unser Napfkräutertee mit Himbeeren und Goldmelisse hat fast keine Kalorien und ist nicht mit Zucker gesüsst. Die Teesorten kommen sehr gut an und stehen in der Verkaufsstatistik ganz oben.

Sie nehmen immer wieder neue Produkte in Ihr Angebot auf. Im Sommer gibt es zum Beispiel ein Paillasse -­Brot mit Chili. Woher nehmen Sie die Inspiration für ausge­fallene Produkte?
Aus ganz unterschiedlichen Quellen. Ich gehe mit ­offenen Augen und Ohren durch die Welt und hole mir meine ­Inspiration auf Reisen, bei Restaurantbesuchen, in Zeitschriften, ganz einfach von überall her. 

Nebst all den Neuerungen, gibt es auch Produkte, die sich seit jeher gleich grosser Beliebtheit erfreuen?
Aber selbstverständlich. Ein klassisches Beispiel hierfür sind die Luzerner Birnenweggen. Diese werden heute noch nach dem gleichen ­Rezept hergestellt wie früher. Es gibt Produkte, die so beliebt sind, dass wir sie ganz bewusst nicht verändern. Sie brauchen also keine Angst zu haben, ein Erdbeertörtli oder die Crèmeschnitte stirbt nicht einfach so von heute auf morgen aus. (lacht) 

Lassen Sie sich von der Qualität und dem Ideenreichtum in unseren ­Back­stuben überzeugen.

Einblick in die Backstube