«Ich träume von einer Schokoladenwelt in Miniaturform.»

Von der spektakulären Kirchenorgel im «La vie en rose» bis zur ­fliessenden Schokoladenwand am Schwanenplatz: Die exklusiven Verkaufsstellen der ­Confiserie Bachmann tragen allesamt Marc Jöhls Handschrift. Im ­Interview erklärt der selbstständige Architekt, warum er auch nach bald 20 Jahren Zusammen­arbeit noch immer grosse Lust auf neue Projekte verspürt.

Marc Jöhl, die Verkaufsstellen der Confiserie Bachmann haben ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stil. Worauf schauen Sie bei der Planung der Fachgeschäfte?
Marc Jöhl: Bei einem neuen Projekt geht es mir nicht primär um das Design, sondern darum, für die Besucher ein Erlebnis zu schaffen. Die Kundschaft soll das Fachgeschäft betreten und glücklich sein, weil sie dort genau das vorfindet, was sie sich wünscht. Und dann gibt es bei jedem Auftrag noch ein weiteres, ganz entscheidendes Ziel.  

Das wäre?
Der Erfolg und die Nachhaltigkeit. Dies hat die höchste Priorität. Da schlüpfe auch ich als Architekt ganz in die Rolle des Unternehmers. 

Als Treffpunkt für unser Gespräch haben Sie das Café am Schwanenplatz gewählt. Das wichtigste Fachgeschäft der Confiserie Bachmann?
Zumindest das prestigeträchtigste. Jeden Tag besuchen hunderte Touristen aus aller Welt dieses Fachgeschäft. Gleichzeitig kaufen auch viele Luzernerinnen und Luzerner dort ein. Diesen unterschiedlichen Kundenbedürfnissen müssen die Mitarbeitenden immer wieder aufs Neue gerecht werden, was sehr herausfordernd und anspruchsvoll ist.

Die «Flowing Chocolate Wall» verzaubert im Fachgeschäft am Schwanenplatz längst nicht nur Kinderaugen. Fliegen Ihnen solche Ideen einfach so zu?
Im Gegenteil. Hinter jeder neuen Idee steckt harte Arbeit. Bei einem neuen Projekt arbeite ich oftmals bis in die frühen Morgenstunden und überlege mir, wie ich die Aufgabe kreativ meistern kann. Im Idealfall entsteht daraus eine ­Lösung, die nicht nur der Geschäftsleitung, sondern auch der Kundschaft gefällt.  

Sie arbeiten seit bald 20 Jahren mit der Confiserie ­Bachmann zusammen. Kehrt da nicht langsam eine ­gewisse Routine oder gar Langeweile ein?
Überhaupt nicht! Einerseits bringt jeder Auftrag neue Heraus­forderungen mit sich, andererseits befindet sich auch die Branche in einem stetigen Wandel. Dies macht die Zusammenarbeit sehr interessant. Als ich vor 20 Jahren anfing, lagen zahlreiche Bäckereien und Konditoreien im Sterben, da die Leute lieber beim Detaillisten einkauften. Dies ist noch heute spürbar. Jedoch konnten wir aufgrund dieser Herausforderung über uns hinauswachsen. 

«Es ist eine Partnerschaft der ­gegenseitigen Wertschätzung und des Vertrauens.»

Inwiefern?
Wenn der Druck steigt, hat man als Unternehmen zwei Möglichkeiten: Entweder man hört auf oder man entwickelt sich weiter. Vor 20 Jahren sahen alle Bäckereien gleich aus: sehr minimalistisch eingerichtet mit nur einer Theke und ein paar ausgestellten Backwaren. Die Confiserie Bachmann war das erste Unternehmen, das die Innenausstattung kreativer anging. Dieser Mut hat sich zweifellos ausgezahlt. 

Was schätzen Sie an der Partnerschaft mit dem Traditionsunternehmen?
Es ist eine Partnerschaft der gegenseitigen Wertschätzung und des Vertrauens. Wenn ein Projekt ansteht, probiere ich gerne Neues aus und gehe bewusst Risiken ein.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt ...
Ich bin ich überzeugt, dass man als Unternehmen nur dann Erfolg hat, wenn man bereit ist, öfters etwas zu wagen. Die Confiserie Bachmann ist das beste Beispiel hierfür. 

Welches Projekt aus den vergangenen Jahren liegt Ihnen besonders am Herzen?
Am meisten Herzblut steckt wahrscheinlich im «La vie en rose». Es ist kein Geheimnis, dass das Luzerner Beizengewerbe aktuell schwere Zeiten durchlebt. Umso mehr freut es mich, dass «La vie» sehr erfolgreich ist und gut bei den Luzernern ankommt. 

Was zeichnet dieses Lokal aus?
Bei diesem Projekt ist es uns gelungen, ein zeitloses ­Lokal für jedermann und jedefrau zu erschaffen. Verschiedene Themenbereiche laden je nach Situation, Tageszeit und Stimmung ein, Freunde zu treffen, in Ruhe Zeitung zu lesen, sich auszutauschen oder ganz einfach, um zu geniessen. Das «La vie» ist ganz einfach «The place to be». 

Welche Ideen möchten Sie in Zukunft noch realisieren?
Ich träume von einer Schokoladenwelt in Miniaturform, bei welcher die Kunden den Produktionsprozess hautnah ­miterleben und am Ende ihre selbst produzierte Schoggi ­kosten können. Das wäre ein echter Publikumsmagnet! Bis jetzt fehlte uns für dieses Projekt leider die Zeit und der richtige Ort, doch diesen Traum gebe ich so schnell nicht auf. (lächelt)